veröffentlicht am: 09:50 GMT Daylight Time - Donnerstag 12 April 2012
Ägypten: Christlicher Jugendlicher zu drei Jahren Gefängnis verurteilt
Land: Mittlerer Osten und Nordafrika, Ägypten, Afrika
Ein christlicher Jugendlicher wurde in Ägypten zu drei Jahren Haft verurteilt, weil er auf seinem Facebook-Profil Comics veröffentlicht hatte, die als Beleidigung für den Islam angesehen wurden.
Gamal Abdou Massoud (17) wurde auch beschuldigt, einige der Bilder an seine Schulfreunde verteilt zu haben. Das Urteil wurde am 4. April von einem Jugendgericht in seiner Heimatstadt Assiut in Ober-Ägypten gefällt.
![]() |
Negad al-Borai, ein Anwalt für Menschenrechte bestätigte, dass Gamal unter ägyptischem Recht die Maximalstrafe für ein solches Vergehen erhalten hatte.
Die Comics waren im Dezember veröffentlicht worden und wurden von Muslimen als eine Darstellung Mohammeds angesehen, Gamal verneinte dies jedoch. Die Publikation provozierte in drei Dörfern jedoch während zwei Tagen gewalttätige Proteste. Der Mob brannte Gamals Haus und vier weitere Wohnhäuser nieder, die seinen Freunden und Verwandten gehörten. Mehrere Christen wurden bei den gewalttätigen Übergriffen verletzt.
Gamal wurde am 31. Dezember bei einem Treffen mit religiösen Führern, darunter auch Salafisten und die lokalen Behörden, wegen Volksverhetzung angeklagt und festgenommen; seine Familie wurde aus ihrem Heimatdorf vertrieben. Es wurde auch entschieden, dass alle christlichen Führer der Gegend in den Medien eine offizielle Entschuldigung abgeben müssten.
Gamals Notlage ist kein Einzelfall. Er ist nur einer von vielen Fällen, bei denen in den letzten Monaten Christen und säkulare Ägypter der Blasphemie angeklagt wurden. Dies gibt zunehmend Anlass zur Sorge, dass die Redefreiheit im post-revolutionären Ägypten mehr und mehr unterdrückt wird.
Erst im vergangenen Monat wurde Makram Diab nach einem Streit mit einem muslimischen Kollegen zu sechs Jahren Haft wegen der „Beleidigung“ Mohammeds verurteilt. Die Strafe beträgt das Doppelte der vorgeschriebenen Höchststrafe. Mehr als 300 muslimische Anwälte verweigerten der Verteidigung Makrams Zutritt zur Berufungsverhandlung, die am 15. März hätte stattfinden sollen, und verhinderten so die Anhörung.
Im November 2011 war Ayman Youssef Mansour, ein 23-jähriger Christ, aufgrund von angeblich abschätzigen Kommentaren über den Islam auf seiner Facebook Seite zu drei Jahren Haft verurteilt worden.
Eine Anklage gegen den bekannten christlichen Geschäftsmann und politisch liberalen Führer Naguib Sawaris wurden jedoch vom Gericht zurückgewiesen. Er war der „Blasphemie und der Beleidigung des Islams“ angeklagt worden, nachdem er letzten Juni auf Twitter einen Mickey-Mouse-Cartoon verbreitet hatte, auf dem Mickey und Minnie islamische Kleidung tragen. Mickey trägt einen Bart und Minnie einen Gesichtsschleier.
Ägyptische Christen haben ihre Wut und Frustration angesichts der Doppelmoral der Regierung bezüglich der „Religionsmissachtung“ zum Ausdruck gebracht.
Dr. Nagui Borail, Leiter der ägyptischen Union für Menschenrechte, sagte, dass er selbst und auch andere Anwälte wegen Missachtung des Christentums mehrere Beschwerden gegen Muslime bei der Generalstaatsanwaltschaft eingereicht hätten, doch keiner der Fälle wurde aufgenommen. Er sagte:
„[Christen] werden mit Beleidigungen ihres Glaubens und ihrer Symbole überschüttet. Kirchen werden in Brand gesteckt und zerstört und niemand unternimmt etwas dagegen.“

United Kingdom
United States
Australia
New Zealand
Русский
Deutsch
Français
Español
简体中文
繁體中文


















